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unser Archiv 2008
 
Rückblick auf unsere Veranstaltungen im Jahre 2007
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  Veranstaltungen 2008  


31.01.08
  Kooperation mit der VHS: Gastdozent Dr. Matthias Matuschka
Metaphysik?
  Gibt es einen definitiven Ausgangspunkt für metaphysisches Denken und wie sieht er aus? Von dieser und anderen Fragen ausgehend, versuchte Herr Matuschka eine Einführung in die Philosophie und das Denken über Metaphysik. Er verwies dabei auf ein existenzielles Dilemma der akademischen Philosophie gegenüber der Metaphysik, wenn diese sich bloß in sprach- oder begriffsphilosophischen Begründungsdebatten verliert. Die Metaphysik als Philosophie hinter den physischen Dingen zu begreifen und auch lebenspraktisch ihren Stellenwert anzuerkennen, war ihm ein Anliegen. Jedoch zeigte sich während der Diskussion schnell, dass einfache Verweise auf Wahrnehmung und die Grenzen bisheriger metaphysischer Ansätze nicht genügen, um eine Darstellung der Metaphysik vorzunehmen sowie auch noch um die lebenspraktischen Aspekte zu erweitern.
Fragen nach einem anzuerkennenden Urgrund aller Dinge, der menschlichen Seele und den Erkenntnisgrenzen menschlicher Informationsverarbeitung sorgten für eine lebhafte Debatte. Das Vermittlungsproblem von metaphysischem Denken und dessen Akzeptanz für das eigene (Er)Leben und einer philosophischen Nachvollziehbarkeit wurde während des Abends nicht gelöst und gab Anstoß, sich mit dem Thema erneut eingehender, physisch wie metaphysisch, zu befassen.
 
28.02.08
  Themenabend: Thomas Ach – Mitglied GPH
Frei nach Marc Aurel: Sind die Menschen füreinander geboren; lehre oder ertrage sie?
  Passt Individualismus in ein sozialverträgliches Konzept des "füreinander geboren sein"? Vom angemessenen Umgang mit dem Anderssein der Anderen. Wie lernen wir andere überhaupt besser verstehen und wollen wir das überhaupt?
Bevor diese Fragen zu einer Beschäftigung mit dem Verhältnis zwischen den Menschen und einer Zueignung des Zitats auf heutige Problematiken überleiteten, gab Thomas Ach einen kurzen Abriss über den „Philosophenkaiser“.
Marcus Aurelius (121-180 n.u.Z.) kleidete sich mit zwölf Jahren in den Mantel der Philosophen, indem er der Schule der späten Stoa nacheiferte und eine philosophische Lebenshaltung für sich mit philosophischer Praxis in Staatskunst und Politik zu verbinden suchte. Seine in seinen letzten zehn Lebensjahren verfassten Selbstbetrachtungen, geben einen Einblick in die Reflexion des „Philosophen auf dem Thron“. Die Einübung einer Lebenshaltung, welche die Macht eines Kaiser kritisch reflektiert, den Verstand als Werkzeug mit Grenzen betrachtet und sich für das Gemeinwohl einsetzt, ist ein Hauptbestandteil der überlieferten Gedanken. Neben Fakten, wie das über die Hälfte seiner Gesetzte Arme, Frauen, Sklaven und Kinder zum Gegenstand gehabt hatte, gaben Redebeiträge die Schwierigkeit einer Übertragung dieser Lebenshaltung auf die heutige Zeit wieder.
Es erschien einerseits ein zu hoher Anspruch die Menschen nur Lehren oder ertragen zu wollen, da dies im Sinne eines römischen Kaiser sich schwer verwirklichen lässt. Andererseits war der Aspekt der Praxis, welche sich in einem toleranten Umgang eines positiv verstandenen „Ertragens“ niederschlagen sollte, für das Verhältnis zu sich selbst wie anderen Menschen nützlich.
Wenn schon römische Kaiser sich zu Zeiten eines 10 Millionen Menschen großen Imperiums philosophische Disziplinen der Selbstbetrachtung auferlegten, wie aktuell müssen derartige Reflektionen angesichts einer globalisierten und vernetzten Welt im Zeitalter von Massenmedien und Post-Post-Moderne gestaltet sein?
 
27.03.08
  Gastdozent: Dr. Sigbert Gebert - Philosophie
Martin Heideggers „Neu“-bestimmung des Menschen
  Heideggers (1889-1776) Menschenbild ist geprägt vom Fragen nach dem Sein. Für ihn ist der Mensch das einzige seinsverstehende Wesen. Als solches Wesen sorgt er sich um sein Sein. Mensch und Welt gehören zusammen, da er durch sein Dasein nur als In-der-Welt-Sein zu begreifen ist. Herr Gebert stellte Heideggers Daseinsanalyse vor, die auf die Geworfenheit des Menschen und die Fähigkeit seines Selbstentwurfes verweist. Statt eines isolierten Subjektes betrachtet Heidegger das Dasein des Menschen in Bezüglichkeit zur Welt, zur Vergangenheit, die seine Geworfenheit darstellt und seine Zukunft, in die er sich entwerfen kann.
Sein Sein ist geprägt von einem eigentlichen und einem uneigentlichen Sein. Das Uneigentliche ist die Man-Möglichkeit, welche aus den vorgegebenen Daseinsverhältnissen durch Tradition und Wissenschaft besteht. Das Eigentliche jedoch, ist der Wendepunkt von der Wesens- zur Daseinsfrage des Menschen. Stellt sich der Mensch seiner eigenen Endlichkeit und nimmt so den Tod als „eigenste, unbezüglichste und gewisse“ Möglichkeit an, erreicht er Eigentlichkeit. Eine Sorge um sein eigentliches Sein vor seinem uneigentlichen Sein könnte hierzu beitragen.
Literaturhinweis:
Gebert, Sigbert: Negative Politik : zur Grundlegung der politischen Philosophie aus der Daseinsanalytik und ihrer Bewährung in den politischen Schriften Martin Heideggers.
Berlin: Duncker und Humblot, 1992.
Heidegger, Martin: Sein und Zeit. Tübingen: Niemeyer 1779.
24.04.08
  Kämpfer für die Freiheit des Geistes: Britta Kantzer – Mitglied GPH
Blaise Pascal – Die Logik des erschütterten Herzens
    Der französische Denker und Philosoph Blaise Pascal (1623-1662) ist ein großer Geist Frankreichs des 17. Jahrhunderts, der Mathematik, Erkenntnistheorie und Vernunftphilosophie prägte. Gegen eine reine Verstandeslogik ohne Bezug auf Vorbehalte des menschlichen Wissens und Wesens hat Pascal die „Logik des Herzens“ entworfen. In Auseinandersetzung mit Descartes sowie Montaigne wendet er sich gegen einen fortschrittsgläubigen Rationalismus und verweist auf die Möglichkeiten des Denkens im Rahmen menschlicher Existenz. Sein „coeur“ ist jedoch nicht ein intuitives Gefühl, sondern die Grundlage des Denkens, Erkennens und Handelns, ein Zentrum von Wollen und Fühlen. Sein „coeur“ bildet den Menschen als ein Zwischenwesen von Gott und Tier, das zwar den Verstand gebrauchen und optimieren kann, jedoch niemals innerer Überzeugungen und der Selbsterhaltung entbehrt. Die Logik des Herzens ist - gemäß Pascal - der gewöhnlichen Logik, nach der sich die Gegensätze ausschließen, überlegen.
Kämpferisch wendet er sich auch gegen die Autorität der Kirche, indem er die Gnadelehre der Jesuiten bekämpft, durch seine Familie sich einer reformatorischen Bewegung, dem Jansenismus, anschließt und die Unverfügbarkeit göttlichen Willens betont.
     
29.05.08
  Themenabend: Thomas Ach – Mitglied GPH
Frei nach Sartre: Vom Sinn des Lebens und der Verdammnis zur Freiheit
  Was ist der Sinn des in die Existenz geworfenen Wesen „Mensch“? Gibt es einen für alle übergreifenden Sinn, der jede Subjektivität erfasst? Kann die Unfreiheit mancher innerer Gedankenzwänge nicht eine persönliche Hölle erschaffen? Liegt die Freiheit und der Sinn in der Erfüllung des „erdachten Selbst“, das sich im schöpferischen Prozess des Lebens vollendet?
   
26.06.08
  Wissenschaftlicher Beirat: Dr. Achim Hager – Philosophie
Hans Jonas: Der Mensch als Treuhänder der Natur
    Jonas „Prinzip Verantwortung“ von 1977 ist ein Gegenentwurf zu Ernst Blochs „Prinzip Hoffnung“. Jenseits der Alternativen von Kapitalismus und Kommunismus plädiert Jonas für eine neue Ethik, die sich gegen die von der modernen Wissenschaft und Technik betriebene Ausbeutung der Natur wendet. Der Mensch soll sein anthropozentrisches Denken, das nur um seine eigene Macht kreist und letztlich zur Zerstörung seiner Umwelt führt, überwinden.

Der Mensch muss statt die Natur zu beherrschen, zu ihrem „Treuhänder“ werden und Verantwortung für seine Biosphäre übernehmen. Gerade wegen seiner exzessiven Macht hat sich der Mensch nicht bloß an seinem Fortschritt allein, sondern ebenso an der Zukunft der Welt und ihrer Verletzlichkeit zu orientieren.

     
24.07.08
  Gastdozent: Prof. em. Dr. Malte Faber – Volkswirtschaftlehre
Gerechtigkeit und Marktwirtschaft? Das Problem Arbeitslosigkeit
  Zwei wesentliche Perspektiven, Arbeitslosigkeit zu untersuchen, sind die der Gerechtigkeit und die der Effizienz. Unverschuldete Arbeitslosigkeit wird als ungerecht empfunden. Zugleich wird häufig argumentiert, dass Arbeitslosigkeit zu gesellschaftlichen Wohlfahrtseinbußen führt, da Arbeit als Produktionsfaktor in erheblichen Umfang nicht genutzt wird. Dieses zweite Argument ist unmittelbar ein Effizienzargument. Beide Argumente führen möglicherweise zu ganz unterschiedlichen Einschätzungen davon, warum Arbeitslosigkeit überhaupt ein Problem ist und von welchen Grundlagen man ausgehen sollte, um diesem Problem zu begegnen. Wir werden diese Fragen zu beantworten suchen, indem wir sie aus den beiden genannten Perspektiven betrachten.

Die Perspektive der Effizienz ist die der Neuen Politischen Ökonomie (Public Choice), die auf dem Menschenbild oder Modell des Homo oeconomicus beruht.
Dieser werden wir eine andere gegenüberstellen, deren Basis das Menschenbild des Homo politicus ist. Den Homo politicus verstehen wir als einen Menschen, der in seinem Handeln vom Interesse an der Errichtung und Erhaltung eines gerechten politischen Gemeinwesens geleitet ist. Danach wenden wir uns dem Thema der Gerechtigkeit zu, indem wir die Konzepte der Ordnungsgerechtigkeit und der Verteilungsgerechtigkeit darstellen und diskutieren. Die Beziehung zwischen Gerechtigkeit und Marktwirtschaft wird untersucht, damit das Thema Marktwirtschaft und Arbeit sowie die Beziehung zwischen politischer Verantwortung und Arbeit behandelt werden können. Schließlich untersuchen wir in wirtschaftspolitische Perspektiven für den Arbeitsmarkt am Beispiel von Hartz IV und erläutern, dass die Idee der Ordnungsgerechtigkeit als Orientierung in der arbeitsmarktpolitischen Debatte verwendet werden kann.

   
28.08.08
  Dr. Jürgen Lambrecht – Mitglied GPH
Die Speziesismus-Thesen Peter Singers
  IDer australische Philosoph und Ethiker Peter Singer vertritt eine dem Präferenzutilitarismus nahestehende Ethik, welche die Leidensfähigkeit und das Lebensinteresse empfindungsfähiger Lebewesen in den Vordergrund stellt. Daraus leitet er eine Tierethik ab, deren Thesen umstritten sind. Er vertritt die Auffassung, dass der Mensch sich zu Unrecht als Objekt moralischen Handelns eine Sonderstellung über die Tiere einräume. Diese ethische Einstellung bezeichnet Singer als "Speziesismus", da sie den moralischen Wert der Spezies Mensch einseitig heraushebe. Von Singer wird die These kolportiert, dass der Lebenswert eines ausgewachsenen Schweines höher anzusetzen sei als der eines neugeborenen Säuglings.

Peter Singer und seine Mitarbeiter wurden Anfang der 90iger Jahre in Deutschland durch Störer und Proteste massiv daran gehindert, ihre Thesen auf wissenschaftlichen Tagungen vorzutragen. Es soll versucht werden, die Thematik zu versachlichen und darzustellen, inwieweit Singers Auffassung einerseits für die tierethische Problematik nutzbar gemacht werden kann, sich andererseits aber entgegenstehenden moralischen Intuitionen stellen muss.
   
 


  Veranstaltungen 2007  


25.01.07
  Themenabend: Thomas Ach – GPH Vorstand
„Ist das Leben erst durch den Tod etwas wert?“
  Mittels eines Textes des Philosophen Wilhelm Schmid, der besonders durch seine Werke zur „Lebenskunst“ bekannt ist, leitete Thomas Ach in eine Diskussion über Rückschau und Sterblichkeit ein.
Wichtig erschien, dass die Fragen nach dem Tode und einer Begrenztheit des Lebens leichter zu stellen waren, je erfüllter das Leben gewesen ist. Hier zählte besonders die individuelle Bewertung und ein Verweis auf Ziele, die im Laufe eines „Lebensplanes“ erreicht wurden.
Ein bewusstes Leben mit dem Tod als unbekannte Größe und Grenze, die es gerade in Konfrontation mit der Erfahrung des Todes anderer zu berühren gilt, war ein genanntes Ziel.
Neben Möglichkeiten des Glaubens, der dem Tode den Schrecken in vielerlei Gestalt nehmen kann, hinterfragten wir, ob nicht das Sterben selbst, mit Blick auf Veralterung und Anonymisierung der Gesellschaft, mehr Würde und Wertschätzung verdient. So vermochten wir mehr über den Vorgang als über den Zustand zu sagen, den der Tod mit sich bringt. Schon allein des Phänomens wegen.
 
22.02.07
  Themenabend: Dr. Reinhard Latsch – GPH Vorstand
„Der Mensch, das Automobil und die Philosophie der Umwelt“
  Herr Latsch verteilte eine vierseitige Inhaltsangabe seines Vortrages (s. Anlage hier klicken um die Anlage anzusehen).

Überblick über die Geschichte des Automobils und die Motorisierung des Verkehrs und die schnelle Entwicklung des Personen- und Gütertransportes auf der Strasse im 20. Jahrhundert. Für die Verschmutzung der Umwelt sind nach Veröffentlichungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung und des ADAC in Deutschland, soweit es die Kohlendioxid-Emissionen angeht, Kraft- und Fernheizwerke zu 43,2, Industrie, Gewerbe, Handel zu 24,8, Privathaus-halte zu 13,0 und Pkw zu 11,9 % verantwortlich (andere 7,1 %; Stand 2004).

Neben dem gasförmigen Kohlendioxid sind die von Verbrennungsmotoren freigesetzten Schadstoffe andere Gase, wie Stickstoffoxide, - aus denen bei ungünstiger Wetterlage in Wechselwirkung mit anderen atmosphärischen Bestandteilen Ozon entstehen kann - und giftige Feinstäube, also z. B. Russteilchen, die als Nebenprodukte bei der Kraftstoffver-brennung zwangsläufig auftreten. Die Aufgabe der Motoren- und Fahrzeughersteller wird sein, durch idealere Verbrennung, Filtration und andere Maßnahmen den Ausstoß und die Bildung von Stäuben (Feststoffteilchen) möglichst weitgehend zu unterbinden.

Das Prinzip der bisherigen Ethiken mit ihrer Konzentration auf den Nahbereich menschlicher Verantwortung (z. B. Nächstenliebe) wird den heutigen, durch seinen technischen Verstand ermöglichten, weit in die Umwelt/Natur hinauswirkenden Aktivitäten des Menschen nicht mehr gerecht, und demgemäß sucht die Philosophie nach neuen Regeln und Weisheiten, die über den Kantschen kategorischen Imperativ hinausgehen. So formulierte der Philosoph Jonas einen neuen ethischen Imperativ: „Handle stets so, dass Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden“.

Über Jonas hinaus geht noch der Philosoph Meyer-Abich, der fordert, dass jedes Wesen dem anderen etwas schuldig ist, und ausruft: „Lasst uns tun, wofür wir gut sind, so dass die Natur durch den Menschen gewinnt.

An die Ausführungen des Referenten schloss sich eine rege Diskussion an, die auch von ihm moderiert wurde.

 
29.03.07
  Themenabend: Britta Kantzer – Referentin
„Credo versus Libido - Giordano Bruno - Ketzer und Kämpfer für die Freiheit des Geistes“
  Giordano Bruno (siehe Anlage hier klicken um die Anlage anzusehen), der Mann aus Nola, den die römischen Inquisitionsbehörden im Jahre 1600 auf dem Scheiterhaufen wegen Ketzerei verbrennen ließen, gilt allgemein als großer Mann, nicht nur wegen seiner kühnen Hypothesen über die Bewegungen der Gestirne, sondern auch wegen seiner mutigen Haltung gegenüber der Inquisition, der er sagte:
"Ihr verkündet das Urteil gegen mich mit viel größerer Furcht, als ich es
entgegennehme."
"Wenn man seine Schriften liest und dazu noch einen Blick in die Berichte von seinem öffentlichen Auftreten wirft, so fehlt einem tatsächlich nichts dazu, ihn einen großen Mann zu nennen." (Berthold Brecht, in "Der Mantel des Ketzers").
 
26.04.07
  Wissenschaftlicher Beirat: Dr. Achim Hager – Philosoph
„Ich lehre Euch den Übermenschen – Nietzsches Kritik am Christentum“
  Ein ausführlicher Vortrag über die wichtigsten Lebensdaten und Werke, hat uns ein kritisches und vielseitiges Bild des großen Denkers ermöglicht.
Der klassische Philologe und Philosoph ist besonders unter den Begriffen „Übermensch“, „Wille zur Macht“ und „Gott ist tot“ bekannt.
Nietzsche wendet sich, mit Rückgriff auf die Vorsokratiker, einem Gottesbegriff zu, der sich gegen die Moral der „kleinen Leute“ und einen Absolutheitsanspruch der Kirche richtet. Besonders in seinen Werken „Götzendämmerung“ und „Antichrist“ verweist Nietzsche auf verloren gegangene Werte eines Urchristentum, dass Macht und Anspruch zugunsten von Nächstenliebe und Gottesgemeinschaft aufgibt.
Unter der Formel „Gott ist tot“ will Nietzsche, so Dr. Hager, eine Zustands- und Möglichkeitsbeschreibung des modernen Menschen verstanden haben. Losgelöst von den Zwängen einer kirchlichen Moral, soll der „Übermensch“ als freier und einsamer Denker seine Werte selbst bestimmen. Dem leidenden Jesus stellt er eine dionysische Figur eines befreiten Geistes entgegen, der für einen ständigen Wandel von Chaos und Ordnung steht. Inspiriert von den Vorsokratikern hat Nietzsche versucht dem „Willen zur Macht“ seine moralische Befangenheit zu rauben und ihn in eine Konstellation triebhafter Kräfte des Lebens zu stellen, welche dem freien Geiste bewusst werden können. Seine Ansätze, die oft missbraucht wurden, z.B. von den Nationalsozialisten, haben nach seinem Tode eine Sprengkraft entwickelt, welche der Philosophie des 20. Jahrhunderts neue Wege ebnete.
31.05.07
  Themenabend: Thomas Ach – Mitglied GPH
„Sich selbst Freund sein? Zwischen Narzissmus und Notwendigkeit“
  In Anlehnung an den berühmten Mythos vom Narziss, wurden Fragen um das Verhältnis zu sich selbst und damit zu anderen diskutiert.
In einer griechisch-lateinischen Mythos-Version lehnt der Jüngling Narziss die Liebe der Nymphe Echo wie auch die eines männlichen Verehrers ab.
Zur Strafe lässt ihn Aphrodite, die Göttin der Liebe und Schönheit, sich in sein eigenes Spiegelbild verlieben. Er wandelt sich daraufhin zur Blume, welche auf ewig ihre eigene Selbstverliebtheit im Teich betrachtet.
Neben eher pathologischen Betrachtungsweisen einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung, waren die Aspekte um eine gelungene Selbstliebe und damit einen „wahren, inneren Freund“ Kernpunkte des Vortragenden. Solch ein Gedankenmodell einer inneren Freundschaft braucht verschiedene Qualitäten wie Identität, Authentizität und Bescheidenheit. Ähnlich wie eine äußere Freundschaft, zählt nicht die Unterordnung unter ein absolutes Ideal, einen „König“, sondern ein maßvolles Verhältnis zu sich selbst.
Inwieweit hier die Ich-Philosophie zur Selbst-Philosophie wird, bleibt offen, jedoch wurde der Prozesscharakter, welcher auch Kränkungen auszuhalten hat, betont.
Das Freundschaftsmodell kann somit eine philosophischer „Mythos“ zur Begrifflichkeit eines inneren Verhältnisses darstellen.
28.06.07
  Wiss. Beirat: Dr. Holger Zaborowski – Religionsphilosoph
„Phänomenologie des Wohnens“
  Die Phänomenologie versteht sich als philosophische Richtung, welche die geistigen und sinnlichen Phänomene als Erscheinungen betrachtet. Diese besitzen „Sein“ im Sinne ihrer Erscheinung wie eben auch Begriffe des Essens, Schlafens oder in diesem Falle des Wohnens.
Erwähnenswert bekannt ist u.a. Hegels Phänomenologie des Geistes.
In Anklang an die Phänomenologie des Spielens brachte Herr Zaborowski das Wohnen als einen Grundvollzug des Menschen in die Diskussion ein. Es besteht demnach ein Zusammenhang zwischen Denken, Bauen und Wohnen. Mit Verweis auf Wittgenstein und Heidegger zeigte sich, dass Parallelen hier auf Probleme des heutigen Wohnens und eine Krise des Bauens verweisen. Wohnräume haben mit Intimität genauso zu tun wie mit Wohnungspolitik sowie einem Bild des Bedarfs und Freiraums.
Wenn der Mensch Lebensräume gestaltet, so spielt der Wohnraum eine Rolle, ein Raum der Abgrenzung, entweder von Ungeordnetem oder Öffentlichem. Der Einzelne richtet sich ein, manchmal individuell und doch, wie er es kulturell gewohnt ist.
Als Sterblicher bewohnt der Mensch die Erde und gerade die Vertreibung aus dem Wohnraum oder von Gewohntem, lässt seine „Unbehaustheit“ Gestalt annehmen.

„Denn es bedarf der Besinnung, ob und wie im Zeitalter der technisierten gleichförmigen Weltzivilisation noch Heimat sein kann.“ Martin Heidegger

26.07.07
  Themenabend: Thomas Ach – Mitglied GPH
„Sind Überzeugungen Feinde der Wahrheit? Frei nach Nietzsche“
 

Überzeugungen beruhen auf eindeutigen Lebenserfahrungen und wirken aufgrund verinnerlichter Glaubenssätze und Leitideen, die situationsübergreifend im alltäglichen Leben eines Menschen Bestand aufzeigen. Überzeugungen scheinen auch naturell bedingt zu sein. Sie sind dann als Feinde der "Wahrheit" anzusehen, wenn sie einen offenen Blick in die Vielseitigkeit des Lebens zu verhindern wissen.
Wahrheit ist aber letztlich als etwas Unbeschreibliches anzusehen. Sie in den interpretationswürdigen Aspekten der jeweiligen Situationen des Lebens anzusiedeln, sollte die Aufgabe eines Wahrheit suchenden Menschen sein. Wer Wahrheiten finden will und wert auf Bodenständigkeit legt, sieht die Dinge aus mehreren Perspektiven.

30.08.07
  Themenabend: Gerhart Elwert – Theologe, Kontemplationslehrer GPH
„Rückkehr der Mystik – Zwischen Theologie und Gottesoffenbarung“
  Was ist Mystik? Wodurch wird Mystik suspekt? Was ist Theologie? Was kann sie leisten?
Mit diesen Fragen konfrontierte der Referent Herr Elwert und gab einen Überblick über den Begriff der Mystik und seine Beziehung zur Theologie.
Der griechische Begriff „myein“, das in etwa „die Augen schließen“ bedeutet, zielt auf ein gegenständliches Schauen der Seele und des Körpers. Mystische Bewegungen existieren in allen großen Religionen und haben das Ziel den Einzelnen zu einem „Schauen“ des Ursprungs der Dinge mittels der„unio mystica“ (geheimnisvollen Einswerdung) zu Leiten.
Mystiker versuchen demnach die überlieferten Bilder der Religion, wie die von Himmel und Hölle im Christentum, zu hintergehen. In Krisenhafter Auseinandersetzung auf dem „via purgativa“ (Weg der Reinigung) kann der Mystiker die Bilder von Strafe und Belohnung zerschlagen und zum Ursprung, beispielsweise Gott, finden.
Mystik verweist damit auf eine Lebenshaltung, ein praktisches Tun und nicht auf eine Lehre oder ein geheimes Wissen Eingeweihter.
Der mittelalterliche Mystiker Meister Eckhart verwendet das Bild der Gottesfinsternis, in der die Ich-Strebungen wie Denken, Wollen und Erinnerung sich zwischen Gott und den Menschen stellen. Diese hat der Mystiker zu überwinden und kann hierzu einen Mystagogen oder eine mystische Gemeinschaft zu Rate ziehen.
Die Theologie als Geisteswissenschaft reflektiert hingegen Offenbarungen, Glaubensinhalte und versucht die Einrede gegen die Existenz des Transzendenten zu widerlegen.
Sie kann Unterscheidungen und stabilisierende Kompetenzen vermitteln.
Mystik und Theologie können auf diesem Fundament ein fruchtbares Verhältnis haben, wenn nicht Angst und Gefahrenabwehr der institutionalisierten Amtskirche dominieren.
Theologie ohne Mystik ist leer, mystische Erfahrung ohne die Theologie nicht reflektierbar.
27.09.07
  Themenabend: Thomas Ach – Mitglied GPH
„Eigentlich bin ich ganz anders, ich komme nur selten dazu – frei nach Ödene von Horvath“
  Haben wir eine Vision über uns selbst? Wer bestimmt unser Wesen, die Umstände und die Hintergründe wie wir sind? Sind wir noch Herr über uns selbst und können wir so sein wie wir wollen? Frei nach einem Zitat des Schriftstellers Ödene von Horvath, stellt sich die Frage nach der Authentizität der Person.
   
25.10.07
  Gastdozent: Professor em. Dr. Malte Faber – Volkswirtschaftler
„Umwelt – Welcher Preis?“
  In den Diskussionen um den Klimawandel wird neben der ökologischen Verantwortung des Einzelnen, an die Verantwortlichkeit von Wirtschaft und Politik appelliert. Welche Möglichkeiten bieten sich mittels Ordnungsrecht und marktwirtschaftlicher Instrumente?
Wie hat ein ökologisches Denken den „homo oeconimicus“ zu prägen, damit eine langfristige Perspektive gegenüber Ressourcen und Umwelt denkbar wird? Professor Faber erläutert einen möglichen Beitrag der Wirtschaftswissenschaften, welche sich angesichts der Herausforderungen ebenfalls Fragen nach dem Menschenbild, der Bedeutung des Unwissens sowie der Rolle von Zeit und Natur zu stellen haben.
   
29.11.07
  Wiss. Beirat: Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde – Theologe
„Islam- Religion ohne Aufklärung? Zum philosophischen Selbstverständnis des Islam“
  Der Islam sei nicht "aufgeklärt" - dies hört man oftmals. Der Islam versteht sich aber selbst als eine Religion der Aufklärung gegenüber Judentum und Christentum, welche beide auf unterschiedliche Art das Prinzip allen Verstandeswissens, den Satz vom zu vermeidenden Widerspruch, verletzten. Dieser Vorwurf findet sich nicht allein in den religiösen Grundlagenschriften des Islam, sondern besonders auch in der bedeutenden islamischen Philosophie, die sich mithin ebenfalls als eine Art Aufklärung darstellt. Von daher ist auch die Reaktion des Chefs der Türkischen Religionsbehörde, Ali Bardakoglu, auf die Rede des Papstes Benedikt XVI. zu Regensburg zu verstehen, in welcher der Papst auch im Blick auf den Islam mahnt, Religion und Vernunft müssten im Einklang stehen: "Zunächst einmal sollen sie [die Christen] die Dreifaltigkeit Gottes erklären. Sie sagen, dass Jesus Gottes Sohn sei. Wie ist das mit der Vernunft in Einklang zu bringen?"
Diesen und verwandten Gedanken sollen Vortrag und Diskussion nachgehen.
   
     
 


  Veranstaltungen 2006  


26.01.06
  Themenabend: Kurt Kappes – GPH Mitglied
„John Rawls –Eine Theorie der Gerechtigkeit“
  Kurt Kappes referierte über Jon Rawls und dessen Theorien zur Gerechtigkeit, natürlich nicht ohne vorher auf den Begriff der Gerechtigkeit einzugehen.
Eng im Zusammenhang mit der religiösen Dimension bedeutete Gerechtigkeit im alten Ägypten, Mesopotamien und Israel das Leben nach dem Gesetz.
Weniger ideell als vielmehr staatstragend sollte Gerechtigkeit mehr im Sinne der staatlichen und somit göttlichen Ordnung, vermittelt durch Schriften wie z.B. Tora, verstanden werden.
Über die Gerechtigkeit als Tugend bei Platon, die einen großen „Philosophen-König“ wohl auszeichnete, die horizontale (von Mensch zu Mensch) Gerechtigkeitsordnung bei Aristoteles und in der Neuzeit, landeten wir bei John Rawls.
Der amerikanische Philosoph John Rawls (1921-2002) ist vor allem durch sein Werk „A Theory of Justice“ berühmt geworden. Er postulierte die „Gerechtigkeit als Fairness“ und „oberste Tugend der sozialen Systeme“. Die Grundfreiheiten, wenn sie für alle möglich sind, sollen allen zur Verfügung stehen. Hierbei sind Ungleichheiten nur hinzunehmen, wenn der größte Vorteil bei den am wenigsten Begünstigten verbleibt und alle Positionen mittels fairer Chancen allen offen stehen.
Angestrebt werden „freie, gleiche und vernünftige Bürger“, was sich allerdings auf ein geschlossenes System (Staat) bezieht.

Literaturhinweise: Rawls John, „Eine Theorie der Gerechtigkeit“; Höffe Ottfried, „Gerechtigkeit: Eine Philosophische Einführung“, Wissen in der Beckschen Reihe ; Kerstin Wolfgang , „John Rawls zur Einführung“, Junius Verlag GmbH 1993

 

24.02.06

  Der Gastdozent entfiel und mit ihm die „Humorphilosophie“, deshalb:
Themenabend Thomas Ach – „Rache- Ist Rache als Reaktion auf die Verhaltensweisen anderer die richtige Antwort?“
  Wir unterschieden zwischen Rachegefühlen, welche impulsartig und in der Phantasie ihren Platz haben, und den Rachehandlungen, die berechenbar und mit dem klaren Ziel geschehen, ein gewisses Maß an Vergeltung zu üben.
Die Rache als ausgleichende Gerechtigkeit? Die Rachehandlung versucht, sich mittels einer Gewissheit der Schuldunfähigkeit zu legitimieren und einen Ausgleich des erlittenen „Kräfteverlustes“ zu erreichen.
Wir stellten die These auf, dass Staaten oder Gesellschaften, welche eine Kultur der Rache als gerechtfertigtes Mittel begünstigen, weniger zum Frieden beitragen. Bösartige Reaktionen aus Rachegefühlen begünstigen eine Spirale von Rache und Gegenrache, die nicht Wiedergutmachung, sondern Schädigung zum Ziel hat.
 

30.03.06

  Themenabend: Thomas Ach – GPH Vorstand
„Die Philosophie des Genusses – Vom Hedonismus zum neuen Lustprinzip?!“
  Hedonisten sind alles andere als reine Genussmenschen! Dies wurde mit Rückblick auf den Ausgangspunkt der „Lust-Lehre“, bei dem griechischen Philosophen Aristipp, deutlich. Als Form des Eudämonismus („Streben nach dem guten/Sittlichen“), hielt der Hedonismus das Lustprinzip hoch, welches jedoch im klassischen Sinne als Vermeidung von Schmerzen und einer Hinwendung zur sinnlichen Erfahrung der Lust verständlicher wurde.
Es zählt die Lust am sittlichen und sozialen Handeln, da so körperliche Schmerzen und Unlust vermieden werden können und Glück sich im Genuss des Erfolges einstellt.
Englische Philosophen (John Locke, David Hume) entwarfen auf hedonistischen Grundlagen ein „Streben nach dem Glück“, das Lust am größtmöglichen Erfolg aller Beteiligten vorsah.
Dieser philosophisch-ethische Ansatz wird im modernen Streben nach Genuss, Konsum und immer größerer Befriedigung konterkariert.
Genuss verlangte für uns eine Hinwendung zum Sinnlichen ohne Abkehr vom ethisch-philosophischen Anspruches des „pleasures for all“.
 
27.04.06
  Themenabend: Constantin Sperneac-Wolfer – GPH Mitglied
„Das europäische Denken der Heimat und des Heimisch-Seins“
  "Was ist es, das an die alten seeligen Küsten Mich fesselt, dass ich mehr noch
sie liebe, als mein Vaterland ?" fragt Hölderlin in seinem hymnischen Gedicht "Der Einzige" und stößt damit in dem damals engen und vorwiegend national geprägten, deutschen Vaterlandsgeist, die Frage nach der "wahren Heimat" an.
Dieser auf der Spur, ging Herr Sperneac-Wolfer bis zu den Heimatbegriffen des alten Griechenlands und des römischen Reiches. Estia, als griechische Göttin des Herdfeuers, verkörperte ein Heim am Herde, das Geborgenheit und Wärme vermittelte, während schon Tukidides („Geschichte des griechischen Reiches“) eher im Meer, die wahre unwandelbare Heimat sah.
Noch ein wenig kollektiver hielt es das römische Recht, welches eine Heimat in Gesetzen und einem Staat vermittelte, der universelle göttliche Geltung haben solle.
Es skizzierte sich ein geschichtlicher Prozess des Verständnisses von Heimat, den Herr Sperneac-Wolfer in Hölderlins Dichtungen um das Vaterland und Heideggers Überlegungen zum „Heimisch-Sein“ ausklingen ließ.
Persönliche Erfahrungen bereicherten die Theorie und stellten fest, dass ein Begriff der Heimat nicht automatisch ein existenzielles „Heimisch-Sein“ bewirke. Hier gelte es neben dem ideellen Begriff der Heimat, auch ein reelles „Heimisch-Sein“ zu erreichen, welches sich nicht immer orts- sondern wesensgebunden einstellen könnte.

Literaturhinweise: Tukidides, „Geschichte des römischen Reiches“; Schmitt Carl, „Der Nomos der Erde“; Hölderlin, „Germanien“, „Der Rhein“; Heidegger, „Erläuterungen zu Hölderlins Dichtung“

 
18.05.06
  Gastdozent: Dr. Holger Zaborowski – Religionsphilosoph
„Phänomenologie des Spielens“
    Ist Spielen ein Grundvollzug des Menschseins? Herr Zaborowski versuchte eine phänomenologische Annäherung an den „homo ludens“, den „spielenden
Menschen“, als ein zentrales Phänomen menschlichen Seins.
Ob nun schon bei Schiller in seinem Werk „Ästhetische Erziehung des Menschen“ oder in Hugo Rahners „Der spielende Mensch“, das Phänomen des Spiels scheint nicht nur „Kinderspiel“ zu sein und eine philosophische Betrachtung mehr als ein „Schauspiel“.
Entgegen der Funktionalisierung des Spiels zum kindlichen Lernen und zur biologisch motivierten Verhaltensweise, offenbart sich der „homo ludens“ durch eine Spielernatur um des Spiels willen.
Spielen im Vollzug ermöglicht eine Selbstvergessenheit sowie Distanz und lässt „als ob“-Situationen entstehen. Es kann dadurch beim Menschen mehr als bloße Entspannungen bewirken. Der spielerische Charakter vieler Situationen wäre demnach nicht nur eine Negation des Ernstes, sondern es würde ein „zweiter Ernst“ im Spiel stecken. Spielen als Grundvollzug des Menschseins bedeutet demnach eine Entfaltung von Freiheit in Bindung an „Spielregeln“, welche kreativ und ohne direkten Funktionsbezug zum Tragen kommen.
Eine spielerische Natur ist bei dem Menschen nicht altersbedingt, denn sie kann jederzeit, falls sie den tatsächlich ein menschliches Seinsphänomen ist, wieder mit Sinn in Erscheinung treten.
 
29.06.06
  Gastdozent: Dr. Andreas Schreiber – Philosoph
„Philosophische Praxis – Eine Praxis der Philosophie?“
    Die Gesellschaft hatte den freiberuflichen Philosophen Andreas Schreiber zu Gast, der über die Möglichkeiten der Philosophie als Lebensberatung referierte. Hierbei ging es um die angewandte Praxis philosophischen Gedankenguts bei Problemen, was sich zu einem Dialog der ehrenamtlichen mit der beruflichen Philosophie entwickelte.
Herr Schreiber machte deutlich, dass diese Art der philosophischen Praxis weder Psychotherapieersatz noch Imageberatung sein soll. Philosophische Beratung soll vielmehr eine Hilfestellung sein, durch Philosophieren zu einem besseren Denken und besserer Orientierung zu gelangen. Wobei der philosophische Berater keine Rezepte anbietet, sondern zum Denken anregt.
Das gelang Herrn Schreiber auch innerhalb der Runde und es blieben trotz allem ein paar kritische Fragen: Ist eine solche Form der Praxis noch Philosophie oder bedient sie sich der Methoden? Wie praktisch darf und sollte Philosophie sein?
     
27.07.06
  Themenabend: Thomas Ach – GPH Vorstand
„Das Menschsein – Die Kunst Mensch zu sein?“
    Was gehört dazu Mensch zu sein? Warum soll dies eine Kunst sein? Thomas Ach stellte unselbstverständliche Fragen zu einer scheinbar selbstverständlichen Sache. Ob es um die
Bewusste Wahrnehmung von sich als Mensch, oder die Grundfrage was den Menschen ausmacht ging – Es beschäftigte die Runde.
Mit Bemerkungen zu historischen Menschenbildern und wann es sich Gesellschaften erlauben konnten auch über den Menschen nachzudenken, wurde das Menschsein als Prozess deutlich.
Ob individuelle oder kollektive Selbstwahrnehmung, ob Vorgaben an Menschenbildern oder
ein bewusstes Bild vom Menschsein, ein ästhetischer Begriff von der „Kunst des Menschseins“ wurde innerhalb der Diskussion möglich.
     
19.08.06
  GPH Ausflug mit angewandten Naturbetrachtungen
   

Herr Kirchenmaier, ein Kenner von Flora und Fauna, machte auf Unterschiede von Wild- und Kulturwiesen aufmerksam, erklärte Heilkräuter und wies auf die verschiedenen Mono- und Mischkulturen der Bäume hin.

  „Einsicht zu haben ist etwas Allgemeines“, wird von Heraklit überliefert. Das dies auch bei Wald und Wiesen manchmal nicht allgemein einsichtig ist, wurde bei dem Ausflug zum Plättig/Bühler Höhe klar.
     
Dabei verwies Herr Kirchenmaier auf eine Harmonie von Werden und Vergehen innerhalb der Natur ein, die beim Menschen durch sein fehlendes
Augenmaß und seine Egozentrik oft - so - nicht erreicht werde.
 
 
Vom Laufen und den Begegnungen mit Schierling, Wacholder und Weißtanne erholte sich die Gesellschaft bei der anschließenden Einkehr in ein Waldgasthaus und ließ den Samstag gemütlich ausklingen.  
     
31.08.06
  Themenabend: Thomas Ach – GPH Vorstand
„Freiheit und Gleichheit - Wie verhält sich dies?“
   

Freiheit kann Vieles bedeuten – im politischen Sinne, im rechtlichen Sinne oder im Sinne einer inneren Freiheit. So sind nicht nur die jeweils individuellen Rechte entscheidend, die Staat und Gesellschaft gewähren, sondern auch die Voraussetzungen, die ein menschliches
Wesen mitbringt. Nicht zu vergessen, dies ebenso im ideellen Sinne, wenn Freiheit ein Ideal ist, für das es sich zu Kämpfen lohnt und welches nicht selbstverständlich erscheint.
Gleich wie, die Gleichheit ist schon deshalb nicht als absolut gegeben, da es die Freiheit gibt und trotzdem bleibt ein Anspruch von Chancengerechtigkeit und Geschwisterlichkeit der Menschen. Dies war uns nicht gleichgültig, denn wir waren so frei.

     
21.09.06
  Gastdozent: Dr. Jürgen Lambrecht – Mediziner und Philosoph
„Was können wir wissen? Kant und Darwin”
    Die alte Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit und den Grenzen menschlicher Erkenntnis wird am Beispiel der Kontroverse zwischen den Vertretern der Transzendentalphilosophie Immanuel Kants und der evolutionären Erkenntnistheorie vorgestellt. Der Streit zwischen beiden Lagern entzündete sich an der Aussage der evolutionären Erkenntnistheoretiker, das ontogenetische "Apriori" des menschlichen Erkenntnisvermögens, wie Kant es formuliert hat, sei als ein phylogenetisches "Aposteriori" zu verstehen, habe sich also im Verlauf der Bioevolution des Menschen durch Anpassung an seine Umwelt entwickelt.
     
26.10.06
  Gastdozent: Prof. em. Dr. Malte Faber – Volkswirtschaftler
„Über die Grenzen der Politischen Ökonomie: Wirtschaft, Politik und Religion“
    Herr Faber schilderte uns aus der Sicht eines Ökonomen, der sich mit Fragen der Nachhaltigkeit und Ökologie von Wirtschaft befasst hat, die Grenzen heutigen ökonomischen Denkens. Schon Adam Smith habe in seinem Werk „Über den Wohlstand der Nationen“ von 1776, die Freisetzung des Eigentums zum Wohle aller proklamiert.
Werte wie Gemeinschaft, Vertrauen und Urteilskraft können demnach im Dienst eines „guten Lebens“ den wirtschaftlich Handelnden Orientierung bieten.
Eine Reduzierung des „homo oeconomicus“ auf ein rationales, Nutzen maximierendes Wesen, lässt wesentliche Werte außer acht. Philosophie und insbesondere die Religionen stellte unser Gastdozent als verlässliche Partner dar, um ein Verständnis für das Gemeinwohl innerhalb der Wirtschaft auf eine breitere, werteorientierte Basis zu stellen.

Literaturtipps: Faber, Malte und Manstetten, Reiner, Mensch-Natur-Wissen, Grundlagen der Umweltbildung, Vandenhoeck und Ruprecht Verlag: Göttingen 2003.
Manstetten, Reiner, Das Menschenbild der Ökonomie. Der homo oeconomicus und die Anthropologie von Adam Smith, Alber Verlag: Freiburg 2000.

     
09.11.06
  GPH Besuch der Baden-Badener Kunsthalle
    Am Donnerstag, den 09.11.2006, wurde von neun Mitgliedern bzw. Freunden
der Gesellschaft für angewandten Philosophie die Möglichkeit wahrgenommen, die Ausstellung "Ballerina in a Whirlpool", in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden zu besuchen.
Dabei war der Kurator der Ausstellung, Dr. F. Emslander, dankenswerterweise bereit, uns die zumeist nicht ganz einfach zu verstehenden Exponate der vier international renomierten Künstler: Isa Genzken, Richard Jackson, Roman Singer und Diana Thater mit dem erforderlichen besonderen Einfühlungsvermögen zu erläutern.
Die Arbeiten der Künstler, die aus der bedeutenden Hauser Wirth Collection ausgewählt
wurden, umkreisen die Fragen von Raum, Zeit, Betrachterrolle und Wahrnehmung. Gemeinsam war den präsentierten Arbeiten die Auseinandersetzung mit dem Realraum, den sie neu definieren und inszenieren oder dessen Grenzen sie auf illusionistische Weise überwinden. Dabei kommt insbesondere der Dynamik der Kreisbewegung eine besondere Bedeutung zu. So drehen sich z.B. sämtliche Werke des Richard Jackson buchstäblich im Kreis, wobei die Zeiger von 1000 Uhren innerhalb eines Raumes unaufhörlich das Zifferblatt umrunden. Für uns Philosophen wurde in den 90 Minuten des Besuchs der Ausstellung mehr
oder weniger deutlich, dass man die Phänomene unserer Umwelt auf die ungewöhnlichste Art und Weise sehen bzw. interpretieren kann.
     
30.11.06
  Wiss. Beirat: Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde – Theologe
„Weltethos contra Wertedifferenz- Ist eine weltweit gemeinsame Ethik möglich?“
    Die wertorientierte Begründung ethischen Handelns ist von den jeweiligen religiösen und kulturellen Vorstellungen nicht zu trennen und entsprechend unterschiedlich. Es ist leicht zu bemerken, dass diese Unterschiede im Zuge der Globalisierung einerseits geringer, andererseits als Selbstbehauptung der jeweiligen gesellschaftlichen Systeme enorm Konflikt auslösend sind. Gibt es angesichts dieser Situation übergreifende allgemeine Werte im Sinne eines Weltethos, oder ist dies abermals ein Versuch, christliche Vorstellungen anderen Kulturkreisen überzustülpen? Dieser Frage ist sowohl im Blick auf internationales, zumal politisches Geschehen wie auch auf multikulturelles Zusammenleben in Deutschland nachzugehen: entscheidet sich hier doch nicht zuletzt die Zukunft unseres kleinen Planeten.


  Veranstaltungen 2005  


27.01.05
  „Ist Toleranz – eine Zumutung? Gedanken nach Habermas“
 

Toleranz in Form von Duldung einer anderen Weltanschauung oder Weltsicht ist stets auch mit Konfliktpotenzial behaftet, da einander tolerierende Weltsichten eine gegenseitige Vereinbarkeit ausschließen.
Anhand Gedanken von Habermas fahndeten wir danach, ob das Gute nun vor dem Gerechten oder das Gerechte vor dem Guten die Toleranz erhält.

 

24.02.05

  Gastdozent: Dr. Sigbert Gebert – Doktor der Philosophie
„Die Glücksphilosophie- eine Einführung in die Ethik“
 

Der Philosoph Dr. Gebert von der Volkshochschule Karlsruhe veranschaulichte die Glücksphilosophie der Antike und stellte in einem kurzem Ritt durch die Philosophiegeschichte moderne Auffassungen philosophisch-soziologischen Glückes dar.

 

31.03.05

  „Was ist Vernunft? Von der Antike bis Kant“
 

„Im Anfang war das Wort“ (der Logos). Ist die Schöpfung ein Vernunftprinzip? Mit Rückgriff auf Vernunftbegriffe der griechischen Philosophie und bei Kant, wurde zwischen Verstand und der ihm übergeordneten Vernunft unterschieden. Die kritische Diskussion über „Ratio“ als im Menschen wirksames Ideal an sich und eine Beurteilung durch die Ergebnisse von Entscheidungen, hielten wir für vernünftig.

 
28.04.05
  „Marc Aurel: Das Schicksal als natürliche Ordnung?“
  Anhand eines Textes von Marcus Aurelius (2. Jhrt. n. Chr.) war Schicksalsergebenheit eine Anerkennung des positiven Ganzen. Diese positive Ethik des Schicksals als „angemessene Macht“ des Geschehenden, stand einem Eingreifen in einzelne Verhältnisse durch eigene Schicksalsgestaltung gegenüber.
 
19.05. 05
 

 „Schopenhauer: Der Mensch und sein Wille“

 

Will der Mensch was er tut, oder tut er was er will? Der Wille- eine Illusion? Die Extreme eines völlig freien Willen nach Vernunftprinzip und Selbstreflexion sowie eines völlig determinierten Willen, durch genetische Anlagen und Erziehung bestimmt, standen sich gegenüber. Zwischen ihnen ermittelten wir den zur Freiheit angelegten Willen, mit Rückgriff auf die metaphysischen Willenselemente bei Schopenhauer.

 

30.06.05

   Themenabend
„Können wir die Evolution beeinflussen? –Philosophie der Evolution“
 

Von den Anfängen bei Darwin und den klassischen Instrumenten der Selektion und Mutation bis hin zu Bioethik und Klonexperimenten informierte der Dozent. Dabei zeigte sich, dass die modernen Laborverfahren die Techniken der Evolution zwar bloß selbst reproduzieren, dadurch allerdings eine ethisch-philosophische Evolution des Menschen, zur Bewertung und Handhabung, erforderlich scheint. Ob der Königsweg eine Mischung aus altem Sozialdarwinismus und einem normativen Evolutionismus ist? Dies hielten wir für fraglich.

 
28.07.05
   Vortrag: Herr Dr. Achim Hager - Doktor der Philosophie
„Wissenschaft und Philosophie“
  Mittels Auszügen aus Karl Jaspers „die Philosophie der Zukunft“ skizzierte Herr Dr. Hager die Unterschiede zwischen Philosophie, Wissenschaft und Religion. Die Möglichkeiten der Philosophie mit ihrer eigenen Methodik der Sinn- und Seinssuche überstiegen dabei die reine Erforschung der Natur. Ein philosophischer Kommunikationsglaube könnte gar, laut Jaspers, eine neue Form von Religiosität ohne Ausschließlichkeitsanspruch bedeuten.
  + Wahl des Themas für den Abend im August
25.08.05
  Themenabend: Wolfgang Hellmayr
„Das Missverhältnis zwischen den Kulturen“
    Befördert die Diskordanz zwischen den Kulturen neuen Terrorismus und kriegerische Auseinandersetzungen? Der Begriff deutet auf ein Missverhältnis zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen hin, welches schon durch kulturelle Unterschiede entsteht. Material
     
29.09.05
  Themenabend: Adrian Gillmann
„ Philosophie angewandt!“
    Hat angewandte Philosophie Sinn und Methode? Mit Mitgliedern und Gästen diskutierte die GPH ihre Grundhaltung und ihr Anliegen, zu kritischem Nachdenken und interdisziplinärem Austausch anzuregen. Material
     
27.10.05
   Gastdozent: Dr. Dr. Harald Walach - Diplom Psychologe
„Vorsicht Stufe! Bewusstseinsphilosophie nach Jean Gebser“
  Auf den Spuren des Philosophen und Autodidakten Jean Gebsers, ergibt sich die These einer stufenförmigen Entwicklung individuellen und zivilisationsgeschichtlichen Bewusstseins. Herr Walach brachte die einzelnen Stufen näher und erläuterte, anhand von Beispielen aus Philosophie- und
Kulturgeschichte, das Bewusstseinsmodell.
Einer archaischen Stufe folgen , laut Gebser, eine magische, mythische, mentale und eine integrale Stufe.

Literaturtipp: Jean Gebser; „Ursprung und Gegenwart“

 
24.11.05
   Gastdozent: Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde – Theologe
„Himmel und Hölle- Philosophie des Jenseits- Jenseits der Philosophie?“
  Wie steht der Philosoph zu Himmel und Hölle? Herr Uhde zeigte auf, dass mit diesseitiger Philosophie auch Begriffe vom Jenseits in Form von Sprachbildern
möglich sind. So dienen die Vorstellungen von Himmel und Hölle als Gleichnisse und sind in den Schilderungen aus dem Koran und der Bibel auch als solche den Menschen gegeben. Selbst der Ungläubige kann in ihnen einen Ausdruck der „Hölle oder des Himmels auf Erden“ entdecken.
Diese Sprachbilder sind, gemäß philosophischer Betrachtung, Ausdruck einer Sehnsucht nach dem Ausgleich der Gerechtigkeit in der Vorstellung der Menschen.
     


  Veranstaltungen 2004  


29.07.04
  „Von Diogenes Kynikern zum modernen Zynismus“
  Der moderne Begriff des Zynismus als Ausdruck einer negierenden undabkehrenden Weltablehnung hatte „positivere“ Wurzeln. Der Wandel von einer kosmopolitischen und schrankenlosen Philosophie zum Zynismus moderner Zeit, sowie die eigentliche kynische Weltsicht wurden diskutiert.
 
26.08.04
  „Was ist Kunst? – Kunst und Wahnsinn“
  Ein Abend rund um wahnsinnige Künstler und wahnsinnige Kunst. Ist moderne Kunst noch Kunst? Wie stand es um Pablo Picasso?Der Einfluss abstrakter Formen und kommerzieller Motive auf Kunst und deren Rezeption.
 
30.09.04
  „Der reflektierte Egoismus“
  Die menschliche Seite des Egoismus im Drang zur Selbstverwirklichung und eine rücksichtslose Selbstsucht wurden reflektiert.Reflektierter Egoismus ist die Fähigkeit des Menschen, sein Denken, seine Einstellungen und sein Tun in der nachfragenden Selbstreflektion und Reflektion der Umwelt zu sehen.
 
28.10.04
  Gastdozent: Prof. Dr. Dr. Bernhard Uhde – Professor an der theologischen Fakultät der Universität Freiburg
  „Das Böse in den Weltreligionen“
  Herr Professor Uhde gab einen groben Umriss über die Darstellungen des Bösen in Judentum, Christentum, Hinduismus, Buddhismus und Islam.Vorstellungen des moralischen Bösen und dem „Bösen an sich“, zum Beispiel als Mangel an Gutem oder in Form von Bewussteinseindrücken wurden anhand des betreffenden theologischen und philosophischen Hintergrundes erläutert.
 
25.11.04
  Vortrag : Dr.–Ing. Reinhard Latsch, Baden-Baden.
 
  „Kierkegaard- Stammvater aller Existenzphilosophen“
  Neben den biographischen Aspekten zeigte unser Mitglied Herr Dr. Latsch die existentielle Aktualität des dänischen Existenzphilosophen auf. Der Philosoph als „subjektiver Denker“ habe weniger das Abstrakte und Allgemeine, mehr die Situationen des Einzelnen zu betrachten.